Fixiert / Überhastet / Ungeduldig

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06.03.14, 12:09:16

Crime

Dann mal sehen ob euch dazu was einfällt, ich selber hab überhaupt keinen Plan wie ich das nämlich anpacken soll.

Luke war schon immer ein kleiner Hektiker. Früher konnten wir damit gut umgehen. Oftmals nutzen wir diesen Elan sogar aus um weiter zu kommen. Er war nämlich nicht nur Hektisch sondern auch im gewissen Maße geduldig probierte eben solange bis etwas passte worauf wir aufbauen konnten.

Nun durch seine Anfälle fiel mir schon recht früh auf, ist er überhaupt nicht mehr geduldig. Sei es bei Übungen oder auch im Sozialkontakt mit anderen Hunden.

Früher durften andere Hunde ihn locker 10x oder öfter anrempeln bis er überhaupt mal dazu Stellung bezog. Was sehr selten war weil meistens nahm er das anrempeln als Spielaufforderung. Ein Hund der ihn heute anrempelt ist eigentlich schon aus Prinzip bei ihm unten durch. Selbst wenn es nur versehentlich und einmalig war.

Das wäre die eine Baustelle an der ich gerne arbeiten würde. Vielleicht auch nur ein Wunschtraum das Luke wieder so geduldig, ruhig und entspannt ist im Hunde-Sozialkontakt mit anderen Hunden.
Aber es ist auch nicht einfach so ein Hirngespinst sondern mir fiel auf das Luke von sich aus wieder mehr Hundekontakte sucht und da denk ich doch könnte vielleicht was zu machen sein.


Die zweite ist eben die Geduld beispielweise beim trainieren.

Ich erzähl einfach wie es letztens war. Luke lernte schon früh das Suchen von Leckerlies kennen. Zuerst im Gras dann auch an kniffeligeren Stellen. Dann kam die Epi und er fand die Sachen bei den kniffeligen Stellen einfach nicht mehr.
Auch das wollte ich, weil es ihm aktuell finde ich ganz gut geht, wieder anpacken. Also am Montag eine Stelle ausgesucht die er kannte und Leckerlies nicht nur auf Bodenhöhe sondern auch beispielweise in Baumrinden usw. versteckt. Luke hat sofort zu suchen begonnen aber nur am Boden. Das wär ja erstmal ok. Aber nachdem er ungefähr 30 Sekunden suchte, schnappte er sich einen Stock und kaute auf diesem rum. Auf Video festgehalten wäre das ein super Trainingsvideo zum Thema Übersprungshandlung. Ich hab ihn nochmal mit Such-Kommando losgeschickt mit demselben Ergebnis.
Bei Suche nur im Gras übrigens ist er sehr viel ausdauender.

Also dachte ich zeig ich ihm die Stellen. Da käme dann Baustelle Nr. 3.
Er ist dermaßen auf meine Hand und ganz besonders auf meinen Finger fixiert. Er sieht die Leckerlie gar nicht. Würde ich ihm zuhause, auf ebenem Boden und ohne Ablenkung, ein Leckerlie zeigen wollen, würde er mit seinen Blicken erstmal an meiner Hand kleben bleiben. Er würde das Leckerlie vermutlich zuerst gar nicht wahr nehmen.
Unmöglich ihm also draussen ein Leckerlie zu zeigen.

So vielleicht habt ihr Ideen. Ich brauch keine fertig ausgearbeiteten Trainingspläne sondern eher Denkanstöße also jedem dem irgend was einfällt kann es ruhig posten, eventuell ist es genau das Mosaiksteinchen welches mir bisher fehlt.
07.03.14, 15:41:04

Gini

hallo Crime,

zu deiner 1. Baustelle:
Ich würde verhindern, dass Luke angerempelt wird. Die meisten Hunde die rempeln, zeigen rüpelhaftes Verhalten. Rempeln während eines Spiels geschieht eher selten, der Hund wird es meist zu vermeiden versuchen.
Anrempeln lassen muß sich dein Hund nicht, zumal er auch nicht mehr so aktiv ist wie früher, krank ist, eine hohe Medikamenteneinnahme hat, die auch seine Reaktion oder sein Wohlfühlgefühl beeinträchtigen kann.
Ich würde dir empfehlen dich dazwischen zu stellen, damit es erst gar nicht zum Anrempeln kommt und Luke sich nicht unnötig aufregen muß, er muß sich das absolut nicht gefallen lassen !

Zu deiner 2. Baustelle:
Auch hier bin ich der Meinung, dass er durch die starke Medikamentengabe beeinflusst ist was evtl. auch seine Konzentration angeht. Das würde die Übersprungshandlung erklären. Verstecke doch die Leckerchen an den Stellen, die er gut und bequem erreichen kann, dann baut er weniger Frust auf, hat mehr Erfolg und das wäre doch schön für ihn !

Zur 3. Baustelle:
Vielleicht könntest du versuchen es nicht mehr aus der Hand zu geben, sondern ihm größere Leckerchen von dir weg auf den Boden zu werfen. Dann sieht er sie besser, die gewohnte Handlung wird unterbrochen. Auf das Leckerchen noch mehr konzentrieren könntest du ihn auch, wenn du dieses nicht wie üblich nach vorne wirfst, sondern ein kleines Stück hinter dich. Wenn die Teile etwas größer sind gibts halt nicht so viele ;-)

Bin gespannt, ob du etwas davon umsetzen kannst !
10.03.14, 11:32:41

Crime

1. Baustelle: Hmm ok, das mit dem rempeln muss ich dann wohl tatsächlich überdenken. Vielleicht ist mir nie in den Sinn gekommen das gegen ihn zu verhindern weil es früher auch seine Art war zu spielen. Zumindest wenn der andere Hund so gespielt hat. Die Hunde die körperbetont spielen waren ihm immer die liebsten.

2. Baustelle: Gini, wie gesagt das Suchen auf der Fläche beherrscht er perfekt. Ich möchte ihn halt trotz seiner Krankheit wieder verstärkt auch fordern. Wir haben 2-3 Jahre nahezu gar nichts gemacht in Richtung training. Ich denke irgendwie dass ihm das auch gegen die Krankheit hilft wenn er geistig wieder mehr gefordert wird.

3. Beim clickern zuhause werf ich ihm die Leckerlies als generell hin. Das machen wir schon immer so um das ganze etwas aufzulockern. Desweiteren eine der ersten Übungen überhaupt war dass er die Leckerlies und die Hand generell nicht fixieren darf.
Wenn er merkt wir üben klappt das auch ganz gut außer eben ich will ihm zeigen wo ein Leckerle liegt.

Mit dem hinwerfen hab ich 2 Schwierigkeiten.
Im Gras würde er anfangen zu suchen. Das kann einige Sekunden dauern. Nimmt er das Leckerlie dann überhaupt noch als Belohnung für das Kommando oder schon als Belohnung für erfolgreiches suchen?
Auf Wegen ist es schon vorgekommen, dass er die Leckerlies mit beispielweise Kieselsteinen verwechselt hat. Er denkt da manchmal gar nicht drüber nach ob das jetzt was falsches sein könnte. Größe passt also nehm ich es in Mund.

Dann noch eine 4. Baustelle. Wie gehe ich aber vor wenn Luke eindeutig der ist welcher die "Arsch"-Seite inne hat? Also der andere rempelt nicht, sucht auch keine Nähe.

Baxter ist so ein Fall. Baxter ist ein Terriermix und will von Luke nichts außer in Ruhe gelassen werden. Ich hatte mir vorgenommen beim nächsten Rudellauf bekommt Luke, sobald Baxter in unserer Nähe ist, Leinenzwang. Denkt ihr das ist ein richtiger Ansatz?
10.03.14, 12:47:45

Gini

nochmal zur Baustelle 2:
wenn du ihn schwerer versteckte Leckerchen suchen läßt, was er ja jetzt nicht mehr gewohnt war, setzt du ihm auch einem gewissen Stress aus. Und Stress könnte evtl. wieder Anfälle fördern !

Baustelle 4:
Versuche mal, ihn an ein Markerwort zu gewöhnen, z.B. Stop oder zu miiir, o.ä., wenn du schon im Ansatz siehst, dass er zu Baxter starten will, dann lobst und belohnst du ihn. Clickerst du ? Dann könntest du auch clicken, wenn er zu Baxter schaut und hinmöchte. Du clickerst praktisch das Verhalten. Reagiert er, schaut dich dann an oder startet nicht durch, gibts eine Belohnung. Das kann Futter sein, aber auch ein Spielzeug, dass du wirfst oder mit dem du kurz mit ihm zergelst. Auch das ist Belohnung ! Abwechslung ist immer gut ;-)

11.03.14, 08:29:36

Crime

Gini, ich weiß dass sehr genau das ich damit Anfälle provozieren könnte. Deshalb hab ich die letzten 2 - 2,5 Jahre beinahe völlig auf jede Form von Training, langen Spaziergängen, Ausflügen usw. verzichtet.

Aber gerade aktuell ist es so. Dass ich mir die Frage gestellt habe wieviele Jahre ich mit Luke noch in einem abgedunkelten Zimmer leben möchte nur damit er keine Anfälle bekommt.

Seit ca. einem halben Jahr lauf ich bei Rudelläufen mit, vorher ein No-Go. Ich geh wieder öfter zur Hundewiese und such dort auch vermehrt Hundekontakt. Ich lauf immer längere Strecken, ich mach Ausflüge und Spaziergänge auch zu Orten wo ich weiß da sind auch viele andere Leute, Hunde, sonstige Dinge.
Das sind alles Dinge vor denen ich Luke 2 Jahre lang beschützt hab.

Ich meine was ist ein Hundeleben wert, wenn er nicht leben darf?

Und dann ist doch die Frage. Kann man ihn nicht wieder auch an diesen Stress gewöhnen? So dass er in anderen Situationen besser mit seinem Stress umgehen kann?

Markerwort wäre Nein, oder nein eher Hey. Hey ist Luke sein 2. Vorname. :breit
Ja wir haben früher viel geklickert. Er weiß auch noch was der Clicker ist.
Aber wieso soll ich klickern wenn er zu Baxter schaut und hin will? Das ist doch etwas was ich nicht möchte?
Wäre es nicht besser ich klicker wenn er Baxter anschaut und dann von selbst weg schaut?
Mit Luke und einem Spielzeug in der Situation zu spielen wäre nicht so gut.
Ich weiß nicht wieso das so ist. Weil nur Spielzeug da stören ihn andere Hunde wenig bis kaum. Aber wenn ich mit ihm und dem Spielzeug spiele, dann würde Luke jeden anderen Hund aufs wütendste attackieren und diesen Frust teilweise sogar auf mich übertragen. Ich könnte ihm das Spielzeug dann unter Umständen nicht mal mehr abnehmen. Dabei gibt er es mir ansonsten immer freiwillig.

Ich werd auf jeden Fall beim nächsten Rudellauf verstärkt an Luke arbeiten. Zuckerbrot und Peitsche nannten es die Römer, ich nenn es Leckerlie und Leine. :D
11.03.14, 12:22:16

Gini

geändert von: Gini - 11.03.14, 12:24:29

mit dem Click bei Sicht kannst du eine Umkehrung bzw. Umlenkung des Verhaltens erreichen. Du clickst bevor Luke durchstartet, denn bis dahin hat er ja alles richtig gemacht. Dazu führst du das Signal ein und in deinem Fall wendest du das bekannte Signal an, dass du für unerwünschtes Verhalten nutzt. Mit NEIN würde ich sparsam umgehen, denn das sagen wir viel zu oft und der Hund sollte schon ganz klar dieses Signal / Markerwort dem entsprechenden Wunschverhalten zuordnen können.
Er wird verwundert sein, dass du jetzt schon clickst, schaut dich evtl. verdutzt an und jetzt kommt deine Chance :-)
Das frühe Clicken prägt er sich ein !
12.03.14, 08:02:43

Crime

Na dann hoff ich einfach, dass im Rudel sonst keiner clickert ansonsten klicker ich denen vielleicht was unerwünschtes an den Hals. :dom
 
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